historie stunikenhaus

DAS STUNIKENHAUS
Die Geschichte des Hauses

EIN HISTORISCHES JUWEL DER STADT HAMM
Das im Jahre 1748 erbaute spätbarocke Stunikenhaus ist mit seiner imposanten Renaissance-Freitreppe nicht nur eines der schönsten und ältesten Häuser der Stadt, sondern es hat auch eine bewegte Geschichte. Aufwendige Restaurierungsarbeiten im April 2011 lassen das Stunikenhaus im neuen Glanz erstrahlen.

DAS HAUS ALS HISTORISCHER ZEUGE
"Hausgeschichten sind immer auch Indikatoren wirtschaftlicher Verhältnisse, sozialer Beziehungen und kultureller Leistungen von Personen. Darüber hinaus sind sie aber auch Spiegel einer Zeit, einer Gegend und einer sozialen Schicht. Bau- und Hausgeschichte wird so immer auch zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte und, in einem allgemeinen Sinn, zur Kulturgeschichte."
(Frei nach Bedal: Historische Hausforschung)

DIE CHRONOLOGIE
1748: Bau des Hauses durch den aufgeklärten Hammer Kaufmann, Erfinder und Oberbrandmeister Johann Bernhard Stuniken. Er ließ die Außenwände des Hauses, nachdem im Jahr 1741 zum dritten Male in elf Jahren große Teile der Stadt durch einen Brand zerstört wurden, nicht wie damals üblich aus Fachwerk, sondern komplett aus Stein erbauen. Die holländische Baugestaltung des Hauses wurde mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit erheblich durch seine geschäftlichen Beziehungen nach Amsterdam mit seinen Grachtenhäusern geprägt. Das obere Stockwerk mit seiner umlaufenden Fensterfront und damit perfekter Rundumsicht über die damalige Innenstadt war wohl eher seiner Aufgabe als Oberbrandmeister geschuldet. Das Haus wurde im Jahre 1748 übrigens auf den damals bereits existierenden Kreuzgewölbekeller aufgebaut dessen genaue bauliche Datierung bisher leider noch nicht gelungen ist. Es ist also wahrscheinlich, dass dieser Keller noch wesentlich älter ist und seine Erbauung wohlmöglich sogar bis in das Mittelalter zurückreicht.

1824: Die Familie Stuniken vererbt das Haus an ihren Schwager Johann Peter Schmits.
 
1842: Die Erben Schmits, die nach Belgien und Amerika auswandern, verkaufen das Haus an den Kaufmann August Klaßmann
 
1864: Verkauf des Hauses an den reichen Wirt Friedrich Leffert für einen Kaufpreis von 2.000 Talern der es 1878 an seinen Sohn Moritz vererbte. Nachfolgend ist das einst prächtige Bürgerhaus sehr heruntergekommen. Es wurde zum Miethaus umfunktioniert und diente verschiedenen Arbeiterfamilien mit zahlreichen Kindern als Wohnstätte.
 
1910: Moritz, der Sohn Freidrich Lefferts verkauft das Hauses an den Kürschner Anton Edel. Diese Familie bemüht sich im Gegensatz zu den beiden Vorgängern erstmals wieder um den Erhalt der Immobilie. In dieser Zeit wurde das Haus als "die sogenannte Stunikenburg" bezeichnet.
 
1942: Anton Edel vererbt das Haus an seinen Sohn Johann, der darin mit seiner Familie bis 1976 wohnte.
 
1944-45: Das Haus wird als eines der wenigen Hammer Bürgerhäuser im Bombenkrieg nur unwesentlich beschädigt.
 
1977: Ankauf der Immobilie durch die Stadt Hamm
 
1978-81: Umfassende Renovierung des Hauses durch das Amt für Denkmalpflege und nachfolgende gastronomische Nutzung durch Faßbender/Becker
 
1986: Eintragung in die Denkmalrolle des Landes Nordrhein-Westfalen
 
1991: Verkauf des Hauses an die Grundstücksgemeinschaft Cremer. Erhebliche Umbauten im Inneren des Gebäudes zur gastronomische Nutzung als Themengastronomie
 
2008: Beginn des Leerstandes
 
2011: Der Hammer Bürger Heinz Harling erwirbt das Haus und lässt das Stunikenhaus nach aufwendigen Restaurierungsarbeiten im neuen Glanz erstrahlen

2011-17: Ein breiter Teil der Hammer Bürgerschaft entscheidet sich dafür, das Haus zu einem repräsentativen Clubhaus umzubauen. Im Dezember 2011 öffnet der  Stuniken-Club Hamm e.V. erstmals seine Pforten

2017: Seit Juni 2017 sind das Ehepaar Tanja Voss und der renomierte Koch Daniel Voss Pächter des Stunikenhauses. Als Restaurant & Bar bietet es nicht nur eine große Auswahl an kulinarischen Gerichten und hochwertigen Getränken, sondern auch den Raum für großartige Feiern und Events aller Art.
 
JOHANN BERNHARD STUNIKEN
Zur Zeit der alten Preußenkönige galt Hamm als noch nicht sonderlich entwickelt. Das kleine Garnisonsstädtchen mit seinen knapp 3.000 Einwohnern war, wie im Mittelalter üblich, landwirtschaftlich orientiert und die Bevölkerung hatte nicht viel zu lachen. Als am 13. Oktober 1702 Johann Bernhard Stuniken geboren wurde, wusste man noch nicht, welch ein genialer Geist damit in die Stadt Hamm eingezogen war.
Stunikens Vater war Kaufmann und hatte Beziehungen zur damaligen Weltstadt Amsterdam. Durch Reisen mit seinem Vater erfährt er die Handelsbeziehungen zu Holland und erkennt das pulsierende, moderne Leben mit all seinem Fortschritt gegenüber dem einfachen Landleben. Die Begeisterung für den Fortschritt regte seine Fantasie an, und so tüftelte Stuniken in seiner Jugend in vielen Bereichen. Die damaligen Stadtbrände animierten ihn bereits im Alter von 28 Jahren eine Feuerspritze zu entwickeln um diese Brände wirkungsvoll zu bekämpfen. So wurde Johann Bernhard Stuniken zum Brandmeister und Bürgerkapitän.  Am 05.08.1731 heiratete J.B. Stuniken in Lippstadt seine erste Frau, die ihm in einer glücklichen Ehe auch mehrere Kinder gebar. Seine Vorschläge zur Einführung neuer technischer Errungenschaften speziell in der Brandbekämpfung fanden in der Stadt allerdings wenig Beachtung. Bis nach Kleve, dem Verwaltungssitz, ja sogar bis zum Preußenkönig nach Berlin ging das  Bemühen des eifrigen Stuniken, die brandschutztechnischen Missstände der Stadt zu verbessern. Doch damit machte er sich Feinde, gerade bei der Stadtobrigkeit, und das Leben wurde ihm und seiner Familie erschwert. Königlicher Schutz wurde für Stuniken angeordnet, doch Missgunst und sogar Anschläge, eingeschlagene Fensterscheiben waren die Folge. Der Tod seiner ersten Frau, die durch den ständigen Terror eine Fehlgeburt erlitt und kurz darauf starb, brach den Kämpfergeist des jungen Mannes.1748 gab er die Brandmeisterbedienung in die Hände des Königs zurück.
Im selben Jahr erwarb er in der Antonistraße ein Baugrundstück und baute trotz widriger Auflagen der Stadt das barocke Stunikenhaus nach holländischem Vorbild mit dem prächtigen Giebel. Johann Bernhard selbst wohnt mit seiner zweiten Frau im väterlichen Haus an der Oststraße 45. Das Stunikenhaus wird das höchste Haus der Stadt. Es ist das erste Haus, das komplett aus Steinen gemauert ist und mit besonderen dockenlosen Dachziegeln eingedeckt ist .
34 708 Reichsmark erwirtschaftet Stuniken durch klugen Handel und seinen Erfindergeist. In dritter Ehe war er ein vermögender Mann mit mehreren Häusern, Bauernhöfen und Ländereien. Der Wohltäter baut die reformierte Schule in der Mark, er schenkte dem Gymnasium eine Lehrerwohnung, er vermachte der Kirche ein kleines Vermögen. Am 29. März 1781 diktiert Johann Bernhard Stuniken sein Testament und setzt seinen  Sohn Nathanael aus erster Ehe, der in die Fußstapfen seines Vaters tritt - und später als Vater der Bedürftigen gelten wird - zum Haupterben ein. Am 26. April 1784 stirbt der große Visionär mit 82 Jahren.